Wolfgang Beck: Texte
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Gereon Hoffmann in der "Rheinpfalz", 16. März 2004:
Die spannungsvolle Komplexität der Bildebenen.

"Ich kann keine Blümchen malen" sagt Wolfgang Beck. Das lassen die Themen, die ihn beschäftigen, auch nicht zu. Die Werke, die der 46-jährige Künstler im Alten Stadtsaal unter dem Titel "Zwischenwelten" zeigt, beeindrucken durch Spannung und Intensität. Sie fesseln durch die Komplexität der oft widersprüchlichen Gefühle, die auf der Leinwand wie in der Seele gleichzeitig und nebeneinander bestehen. Seelenlandschaften, die aus tiefem Fühlen und Erleben entstehen.

"Menschen und die Beziehung zu ihnen sind mir das Wichtigste im Leben", sagt der Künstler. Wo es das Thema zulässt, sind seine Bilder figürlich, zeigen Gestalten, die durch Haltung und Anordnung im Bildraum vielschichtige Beziehungen ausdrücken. Es sind nicht nur Beziehungen zueinander, sondern auch verschiedene Wege, einer Situation zu begegnen.

Ein Schlüsselwerk zum Verständnis dieser Bildsprache ist Bild drei der Ausstellung, es ist ohne Titel, doch das hat seinen Grund. Eine abstrahierte Feuersäule in leuchtenden Rot und Orangetönen teilt das Bild in zwei Hälften. Zur Linken steht eine Frau, vom Widerschein des Feuers angestrahlt, hält sie eine Hand schützend vors Gesicht. Die Wärme birgt auch Gefahr, sie fühlt sich angezogen, fürchtet aber sich zu verletzen. Ihr Gegenpol ist eine Frau, die im Dunkeln lebt. Sie wendet ihren Blick ab, doch der Körper will zum Feuer. Dazwischen im Feuer, eine halb-menschliche, halb nicht-menschliche Gestalt, die fast trotzig inmittten der Spannung sich behauptet -- doch das Feuer glüht durch sie hindurch. Das Bild zeigt Nähe und Verzehren, große Sehnsucht und die Angst vor ihrer Erfüllung. "Das Bild ist so vielschichtig, dass ich ihm keinen Titel geben kann, denn jede Festlegung würde etwas anderes ausschließen."

Beck schafft es, mit seinen Bildern sehr komplexe psychische Strukturen zu erfassen. Diese können zwischen Personen bestehen, aber auch als intrapsychische Strukturen Teile innerhalb einer Persönlichkeit sein. Der Psychologik, die nichts ausschließt und bei der Widersprüchliches zusammen doch wahr sein kann, nähert sich Beck durch seine Arbeitstechnik. Immer wieder malt er an einem Bild, ergänzt neue Aspekte, lässt Früheres unter Späterem durchscheinen, ineinanderfließen oder ganz verschwinden.

Figuren und Bildaufbau erinnern manchmal an Renaissance-Maler, so etwa bei dem gewaltigen Mittelteil des Tritychons, das aus der Bühne des Alten Stadtsaals fast einen Altar macht. Doch die religiösen Anklänge sind nicht konkret gemeint, wie Beck erklärt, sondern vielmehr archetypische Bilder, die aus dem Unbewussten aufsteigen. In der "Heimfahrt" erinnert eine Figurengruppe an eine Pieta, doch gemeint ist der Abschied von lieben Menschen. Viele der Bilder wirken abgründig und dabei anziehend, so als blicke man eines Nachts in die Tiefen eines Sees. "Das Vergessen" ist in hellen leuchtenden Tönen gehalten. Doch alle Formen haben sich aufgelöst in Farbwolken - es ist ein gnädiges Vergessen, ein Sich-Vergessen. Nach mehr als drei Jahren Pause und Zurückgezogenheit ist dies Wolfgang Becks erste Ausstellung.

 

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