Rheinpfalz, Montag 15. April 2019

Auch auf dem Land kann man von Kunst leben

Interview: Der Künstler Wolfgang Beck über seine Ausstellung und das künstlerische Arbeiten mit Kindern

Wolfgang Beck

Wolfgang Beck ( Foto: Heinen)

„Winterland“ von Wolfgang Beck.

Winterland“ von Wolfgang Beck. ( Foto: Heinen)




Der Künstler Wolfgang Beck ist nicht „vun do“, was schon seine Sprache verrät und was er des Öfteren zu hören bekommt. Aber seiner Lebensgefährtin wegen wohnt er jetzt schon zehn Jahre in Donsieders, wo er sich aufgenommen sieht und sich laut eigenen Worten ausgesprochen wohl fühlt. Gerade recht kam deshalb die Ausstellung auf Einladung der Rodalber Volkshochschule, die ihm ein Forum in der Wahlheimat geboten hat. Über seine Kunst und sein Leben als Künstler Wolfgang Beck mit Hans Heinen.



Ihre jetzt gerade zu Ende gegangene Ausstellung im Rodalber Rathaus mit Malerei und Skulpturen hatten Sie als kleineren Ableger der großen Ausstellung im Schwetzinger Schloss vom vorigen Jahr gestaltet. Bietet die Reduzierung auch Vorteile?

Die Ausstellung in Rodalben enthielt einige wesentliche Elemente der Schwetzinger Ausstellung, aber sie war gleichzeitig auch ganz anders. Hier in Rodalben hatte ich die menschliche Figur stärker in den Mittelpunkt gestellt, es gab im Verhältnis mehr Skulpturen und Bilder zur Figur. Die Räume hier sind kleiner, aber groß genug, um den Arbeiten viel Raum zu lassen, das war mir wichtig. Die Reduktion brachte Ruhe und Klarheit, das tat gut.

 

Worum ging es Ihnen in Ihrer Ausstellung?

Es ging mir um eine Kunst, die auf den Ort bezogen ist und um den Dialog mit dem Betrachter. Das Zusammenspiel von Malerei und Skulptur, von zwei- und dreidimensionalem Raum interessiert mich besonders. Jeder Ort ist anders. Das Existentielle, das Romantische, die Landschaft, der Mensch im Focus, das war auch in Schwetzingen so. Hier in Rodalben kam noch eine große Prise Ironie und Humor dazu, wenn man genauer hinsah. Man denke nur an die Skulpturen, die nahe der WCs standen, an die Männeken ähnlich denen von Brüssel. Das Klassische, die Harmonie war sichtbar, die Störungen aber auch.

 

Sind Sie mit dem Verlauf der Ausstellung zufrieden?

Es war da eine ganz besondere Atmosphäre bei der Vernissage, eine Herzlichkeit und Offenheit, wie ich sie selten erlebt habe in meinem langen künstlerischen Schaffen, von Seiten der Redner und vom Publikum. Das hat mich berührt, das bleibt.

 

Kann ein Künstler, der in einem Dorf ansässig geworden ist – Sie wohnen in Donsieders – von seiner Arbeit leben?

Eine komplexe Antwort in verkürzter Form: Ja, es ist möglich, auch auf dem Land von der Kunst zu leben. Hier kann man hervorragend und in Ruhe arbeiten, hat genug Platz. Dann braucht es aber ein gutes Netzwerk, viel Energie, Flexibilität, Geduld, auch viel Unterwegssein. Und man muss heute gut kommunizieren können, was ich anfangs stark unterschätzt habe. Vor allem braucht es die unbedingte Leidenschaft für die Kunst, die Lust am Schaffen, am Experimentieren, den Mut, immer wieder Neues zu wagen, auch wenn es finanziell unsicher ist. Das geht mit Einschränkungen nur ganz, also an sechs Tagen in der Woche. Und selbst dann reicht die Zeit oft nicht. Die meisten Käufer, Sammler und Auftraggeber sitzen nach wie vor in den großen Städten. Noch! Da deuten sich Verschiebungen an.

 

30 Prozent des Verkaufserlöses wollen Sie Kindergärten stiften? Haben Sie schon einmal mit Kindern gearbeitet? Wenn nicht: Hätten Sie denn Zeit, einer Einladung nachzukommen und was würden Sie mit den Kindern unternehmen?

Kinder sind mir ungemein wichtig. Die künstlerische Ausbildung kommt in der Schule leider oft zu kurz, das hat viele Gründe, auf die einzugehen hier zu weit führen würden. Ich habe einige Jahre mit Kindern gearbeitet – zusammen mit dem Lernmobil in Viernheim, gemeinsam mit Migrantenkindern und Deutschen, das war toll. Die Begeisterung wecken bei den Jungen, das ist mein Ausgangspunkt. Danach braucht es aber Kontinuität und Energie, damit sie möglichst lange dabei bleiben. In der Familie malen wir oft zusammen, wenn ich zuhause bin. Kinder haben eine unglaubliche Fantasie und Kraft. Leider habe ich in den letzten Jahren keine Zeit mehr fürs Arbeiten mit anderen Kindern gehabt, das kann sich irgendwann wieder ändern.