Rheinpfalz 1.April 2019

Mit einem verschmitzten Lächeln

Wolfgang Beck aus Donsieders zeigt im Rodalber Rathaus bis 14. April 2019 seine Ausstellung „Malerei und Skulptur“

Von Hans Heinen

Bilder wie das Werk „Wasserspiele“ zeigen Landschaften als Sehnsuchts- und Rückzugsorte.

Bilder wie das Werk „Wasserspiele“ zeigen Landschaften als Sehnsuchts- und Rückzugsorte. ( Foto: Heinen)



Besucherandrang füllte die Ausstellungshalle im Rathaus bei der Vernissage „Malerei und Skulptur“ von Wolfgang Beck aus Donsieders mit Leben. Auch in den ausgewählten Exponaten, den Landschaftsbildern und Figuren, spiegelt sich Leben wider. Der Mensch steht hier im Mittelpunkt.



Auch wenn das Menschsein konkret nur in den im Raum stehenden Figuren auftaucht, wirkt der Mensch immer hinein in die Malerei. Hinter den bildlichen Landschaftsmotiven lassen sich Sehnsüchte entdecken oder Bewunderung für die Schönheit der Natur, darüber hinaus vereinzelt auch ironische Kommentare zu festgehaltenen Eindrücken.

Schön geordnet reihen sich die Bilder an der Wand aneinander. Als ordnend sind die Kriterien Papier und Zeichnung, Leinwand, Acryl und Collage auszumachen. Tiefe Blautöne im Wechsel mit hellen Farben beherrschen die in Collagetechnik vollendeten Landschaftsbilder. Alle Abstraktion steht in realen Beziehungen, der Blick richtet sich auf wechselhaftes Szenario aus Berglandschaft und Schluchten, Meer und Garten.

Packende Landschaften erzeugen bizarre Eindrücke, das Geheimnisvolle lässt staunen und erschließt sich metaphorisch: Diese Landschaften öffnen sich dem Betrachter in ihrer Größe als Rückzugs- und Sehnsuchtsorte, die Kraft von Natur und Schöpfung motiviert, sich vertrauensvoll fallen zu lassen.

Im hinteren Raum hat Beck mit seinem Bild „Wasserspiele“ einen Blickfang geschaffen. Es hebt sich durch sein Großformat von den meist kleinformatigen Exponaten ab, und es unterscheidet sich von ihnen durch die warmen Farben, die das Licht des Sommers einfangen. Ausgangsort könnte der Schwetzinger Schlossgarten sein, Becks frühere Heimat, in dem die Noblesse, schemenhaft angedeutet, wie in einem Refugium lustwandelt. Doch hinter dem schönen Schein lässt der Künstler mitunter Ironie hervor blitzen. Hier begleitet sie die Promenierenden mit einem spürbar verschmitzten Lächeln im Hintergrund.

Figuren hat Wolfgang Beck in archaischer Gestalt in den Raum gestellt. Die abstrahierende Reduzierung hebt das Existenzielle hervor. Scheinbar stehen sie als Einzelwesen dar: die zierliche und die stämmige Frau, die fast Lebensgröße erreichende Figur in der Raummitte, das Rücken an Rücken gestellte Paar, dessen Gegensätzlichkeit auch in der Beschaffenheit Ausdruck erlangt. Denn zur Skulptur aus Eiche kommt einmal ein Aluminium-Überzug hinzu. Individuen sind es, doch sie stehen gemeinschaftsbildend im Raum. Zu den existenziellen Bedürfnissen gehört eben der Dialog, und so fügt sich das Einzelne zum Ganzen.

Harmonie durchzieht die Ausstellung von Wolfgang Beck in Rodalben, doch sie besteht nicht durchgehend. Nicht nur bildnerische Ironie kann Einschränkungen signalisieren, dies kann allein schon das Mittel einer gestalteten Störung im Aufbau bewirken. Plötzlich taucht da zum Beispiel die Monotypie das Motiv des Cannabisblattes unter dem Motto „Keine Drogen“ auf, das da nicht hingehört und eine Bruchstelle in der harmonischen Ordnung markiert.

Beck schafft überzeugende Kunst, klar durchdacht, kräftig in Szene gesetzt, typisch strukturiert, abstrahiert und doch durchschaubar. Manchmal – das mag er sich nicht verkneifen – verblüfft er durch unerwartete kleine Gags, die wiederum zum Blickfang aufsteigen. Dies gilt etwa für die Figur des Männekens, wie es ähnlich in Brüssel vorzufinden ist. Spaßeshalber hat es seinen Platz ausgerechnet vor der Tür zum WC bekommen und, wen wundert es, dort gebührende Aufmerksamkeit bekommen.